Programm
15. Oktober
08:00
09:00
ANMELDUNG, FRÜHSTUCK & MESSEBESUCH
09:00
09:30
ERÖFFNUNG
Monika Vonier, Manfred Rädler, Hans-Jörg Mathis, Hannes Taubinger
09:30
10:00
Beitrag von Kleinwasserkraftwerken zur Erbringung von Systemdienstleistungen und Netzresilienz im Rahmen der Energiewende
Markus Zdrallek
Kleinwasserkraftwerke leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur
Erbringung von Systemdienstleistungen und Netzresilienz im Rahmen der
immer weiter fortschreitenden Energiewende in Europa. Durch den Rückgang großer, direkt netzgekoppelter Synchrongeneratoren verändern sich
die physikalischen Grundlagen der Netzstabilität grundlegend. Schwungmasse, Kurzschlussströme und erregungsbasierte Blindleistung werden
geringer, während sich die Erzeugung zunehmend in die Verteilnetze verlagert.
Der Vortrag stellt in diesem Zusammenhang die Ergebnisse eines Gutachtens vor, das den Beitrag der Kleinwasserkraftwerke (bis 1 MW) zu Systemdienstleistungen und Netzresilienz bewertet. Behandelt werden Momentanreserve, Blindleistung und lokale Spannungshaltung, Kurzschlussleistung und Schutzkonzepte, die Eignung für Schwarzstart und Inselbetrieb sowie die Wirkungen auf Netzausbau- und Engpassmanagementkosten.
10:00
10:30
Hydrologie und Niederschlagsentwicklung – was steht uns noch bevor?
Susanne Drechsel
Der Niederschlag und der hydrologische Wasserhaushalt Österreichs haben
sich in den vergangenen Jahrzehnten spürbar verändert. Die Entwicklung
der jährlichen Niederschlagssummen ist zwar durch starke natürliche
Schwankungen geprägt und zeigt österreichweit keinen einheitlichen Trend,
allerdings verändern sich jedoch Verteilung und Intensität der Niederschläge.
Regional bestehen deutliche Unterschiede: Während im Westen tendenziell
zunehmende Niederschläge beobachtet werden, zeigen sich im Südosten teilweise rückläufige Entwicklungen.
Die steigenden Temperaturen verstärken zudem die Verdunstung und führen
insbesondere im Sommer zu einer höheren Austrocknungsgefahr. Die abnehmende Schneemenge und kürzere Schneedeckendauer reduzieren die
natürliche Wasserspeicherung in den Alpen und beeinflussen Abfluss, Grundwasserneubildung und Wasserverfügbarkeit. Gleichzeitig können intensivere
Starkniederschläge das lokale Hochwasserrisiko erhöhen. Für die Zukunft
wird mit einer weiteren Erwärmung, einer Verschiebung der Niederschläge
vom Sommer in das Winterhalbjahr sowie häufigeren Trockenperioden und
Starkniederschlagsereignissen gerechnet.
10:30
11:00
Die volkswirtschaftlichen Effekte der Investitionen in die Kleinwasserkraft
Christian Helmenstein
Österreich weist im europäischen Vergleich einen überdurchschnittlich hohen Anteil erneuerbarer Stromerzeugung auf. Eine wesentliche Grundlage
dafür bildet die historisch gewachsene und hochentwickelte Wasserkraftinfrastruktur. Innerhalb dieser kommt der Kleinwasserkraft eine strukturell
bedeutsame Rolle zu, die in der energie- und wirtschaftspolitischen Diskussion häufig hinter jener größerer Erzeugungsanlagen zurücktritt.
Die Bedeutung der Kleinwasserkraft wird in den kommenden Jahren weiter
zunehmen. Neben den klima- und energiepolitischen Zielsetzungen haben
insbesondere die geopolitischen Verwerfungen der vergangenen Jahre den
Stellenwert einer verlässlichen inländischen Energieerzeugung und einer
geringeren Importabhängigkeit deutlich hervortreten lassen. Die weitere
Erschließung des Potenzials der Kleinwasserkraft setzt dabei zusätzliche
Investitionen in Neubau, Revitalisierung und Modernisierung bestehender
Anlagen voraus. Die ökonomischen Effekte dieser Investitionen reichen
über ihren unmittelbaren energiepolitischen Nutzen hinaus. Bereits in der
Investitionsphase entstehen entlang der heimischen Wertschöpfungsketten zusätzliche Nachfrageimpulse. Der Beitrag quantifiziert diese volkswirtschaftlichen Effekte für Österreich. Im Mittelpunkt stehen die daraus
resultierende Wertschöpfung, die Beschäftigungseffekte sowie die damit
verbundenen Lohn- und Gehaltseinkommen. Darüber hinaus werden die fiskalischen Rückflüsse analysiert, die infolge der Investitionstätigkeit in Form
zusätzlicher Steuern und Abgaben beim Staat und bei weiteren öffentlichen
Institutionen anfallen.
11:00
12:30
MITTAGSPAUSE
12:30
12:50
Ein Blick über die Grenze: Deutsche Kleinwasserkraft und ihre aktuellen Herausforderungen
Julia Neff
Der Vortrag gibt einen kompakten Einblick in aktuelle politische und regulatorische Entwicklungen der deutschen Kleinwasserkraft. Im Fokus steht der
Süden Deutschlands, wo rund 80 % der deutschen Wasserkrafterzeugung
konzentriert sind. Im Mittelpunkt steht die Novellierung des EEG 2027: Wo
steht die Wasserkraft nach mehr als 25 Jahren EEG und welche wirtschaftlichen Rahmenbedingungen braucht sie künftig? Zugleich rücken Netzstabilität und Krisenresilienz stärker in den Fokus. Systemdienstleistungen,
Inselbetrieb und Schwarzstartfähigkeit zeigen ihren Wert weit über die
reine Kilowattstunde hinaus.
Am Beispiel Bayerns und Baden-Württembergs wird gezeigt, wie die
stärkere Einbindung der Industrie- und Handelskammern energie-, wirtschafts- und standortpolitische Aspekte in Genehmigungsverfahren
wirksamer berücksichtigen kann. Auch die Mehrfachnutzung bestehender
Wasserkraftstandorte durch Aquathermie bietet großes Potenzial: Vorhandene Infrastruktur und die Energieerzeugung direkt vor Ort schaffen gute
Voraussetzungen, um Strom- und Wärmewende miteinander zu verbinden.
Erste Anlagen zeigen bereits das Potenzial kombinierter Wasser-Wärme-
Kraftwerke.
Zum Abschluss richtet sich der Blick über die Grenze: Welche Herausforderungen verbinden Deutschland und Österreich – und was können wir
voneinander lernen?
12:50
13:10
Ein Blick über die Grenze: Schweizer Kleinwasserkraft und ihre aktuellen Herausforderungen
Martin Bölli
Der Vortrag zeichnet die Entwicklung der Rahmenbedingungen für die
Kleinwasserkraft in der Schweiz nach: Ausgehend von einer sehr günstigen
Förderpolitik führte der zunehmende Widerstand aus Sicht des Gewässerschutzes zu immer strengeren Vorgaben und Einschränkungen. Der Zubau
neuer Anlagen unter 1 MW kam weitgehend zum Erliegen; bei Anlagen
unter 300 kW wurden Erneuerungen und Erweiterungen zunehmend
schwierig. Gleichzeitig gewann die ökologische Sanierung bestehender
Wasserkraftanlagen stark an Bedeutung.
Für Investoren bleibt die Situation anspruchsvoll: Häufig wechselnde
Rahmenbedingungen, ein komplexer Fördermix und schwer kalkulierbare
Strommarktpreise erschweren langfristige Entscheide. Chancen bieten
neue dezentrale Modelle wie Eigenverbrauch und LEG. Zudem könnte die
Diskussion über einen möglichen Ausbau der Kernenergie den bisherigen
Widerstand gegen die Wasserkraft teilweise abschwächen
13:10
13:30
Peer-to-Peer und Eigenversorgung: Welche neuen Vermarktungsmöglichkeiten das ElWG bringt
Matthias Nadrag
Mit dem ElWG, seit Dezember 2025 in Kraft, entstehen mit Oktober 2026
neue Möglichkeiten für Peer-to-Peer-Energiehandel und Eigenversorgung
– auch über Grundstücksgrenzen hinweg, ab April 2027 sogar netzgebietsübergreifend. Für Betreiber von Kleinwasserkraftwerken eröffnet dies
neue Vermarktungswege abseits klassischer Einspeisetarife: Erzeugte
Energie kann direkt an Nachbarn, lokale Betriebe oder über Bürgerenergiemodelle vermarktet werden. Zudem gibt es über die unternehmensinterne
Eigenversorgung eine einfachere, standortübergreifende Bilanzierung von
Erzeugung und Verbrauch. Der Vortrag gibt einen praxisnahen Überblick
über die neuen gesetzlichen Grundlagen, zeigt anhand konkreter Beispiele,
wie Kleinwasserkraftbetreiber ihre Erzeugung wirtschaftlich sinnvoll in
Energiegemeinschaften oder P2P-Modelle einbringen können, und beleuchtet offene Fragen – von Abrechnung über Netzentgelte bis zur technischen
Umsetzung.
13:45
19:00
PARALLELSESSIONS
13:45
19:00
Exkursion 1: Kraftwerksführung Mühletorplatz
Das Jahrhunderthochwasser 1910 mit seinen enormen Schäden in der Stadt Feldkirch, bei den Stadtwerken und in der Spinnerei Gisingen der Firma
F.M.Hämmerle drängte die Verantwortlichen sowohl
beim Hochwasserschutz als auch bei der Kraftwerkserzeugung zu geeigneten Maßnahmen, denn das
Hochwasser hatte eine dauerhafte Erhöhung der Ill-sohle durch maßgeblichen Geschiebeanfall nach sich
gezogen, was den Energieertrag der beiden bestehenden Wasserkraftwerke (Stadtwerke am Mühletorplatz und Spinnerei der F.M.Hämmerle in Gisingen)
deutlich schmälerte. Nachdem diverse Anpassungen
der Wasserentnahme für die Spinnerei keine befriedigende Lösung schaffen konnten, wurde 1924 innerhalb von 5 Monaten ein Verbindungskanal zwischen
dem Kraftwerk der Stadtwerke und jenem der Spinnerei hergestellt.
Seitdem bilden die beiden Ausleitungskraftwerke eine
Kraftwerksgemeinschaft. Beide Kraftwerke sind heute noch in Betrieb. Der eindrucksvolle Verbíndungskanal wird im Rahmen der Exkursion durchwandert.
Wasserfestes Schuhwerk, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Voraussetzung für die Teilnahme.
14:00
19:00
Exkursion 3: Kraftwerksführung Ebensand
In Dornbirn, am Ende der Rappenlochschlucht, nahm
um 1898 das Kraftwerk Ebensand seinen Betrieb auf.
Das historische Speicherkraftwerk, dessen idyllische
Lage viele Wanderinnen und Wanderer anzieht, wird
von der Dornbirnerach gespeist. Mit dem Neubau des
Krafthauses 2025/2026 wird das Kraftwerk Ebensand
behutsam in die Zukunft geführt. Neben dem Stammgebäude entsteht eine moderne Anlage, die Tradition, Betriebssicherheit und nachhaltige Bauweise verbindet. So bleibt das Kraftwerk, was es seit mehr als 125 Jahren ist: ein regional verwurzelter Beitrag zur erneuerbaren Stromversorgung.
14:00
19:00
Exkursion 2: Kraftwerksführung Illspitz
Das KW Illspitz ist seit 2014 in Betrieb und produziert
elektrische Energie im Ausmaß von rund 29 GWh/a.
Die Erfahrungen mit den beiden Kaplan Bulb-Maschinen sind gut. Probleme mit Sandeintrag verursachen aber seit Jahren regelmäßig Erzeugungsverlust und
beträchtliche Kosten bei der Räumung.
Mit einem fest installierten Sandgreifer soll dem nun
abgeholfen werden. Die Kiebler AG aus der Schweiz
hat dazu einen Heugreifer adaptiert. Über eine vorhandene Schwemmrinne soll das entnommene Material ins Unterwasser abgeschwemmt werden.
Mit diesem Projekt wurde - wie schon beim Einbau
von Verschlussflügeln anstelle des Grobrechens vor
dem Einlaufbauwerk - Neuland betreten, weil keine
vergleichbaren Umsetzungen bekannt waren.
Am 15. Oktober 2026 soll der Sandgreifer betriebsbereit sein und somit für eine Vorführung der Funktionsweise zur Verfügung stehen. Als Sonderkonstruktion lagen die Herausforderungen insbesondere bei
der Arbeitssicherheit und bei der Bewältigung von
allfällig auftretenden Ausnahmesituationen.
14:00
19:00
Workshop 1: OeMAG Fragestunde
Roland Bauer
Als fester Bestandteil unserer Jahrestagung stehen die Experten der
OeMAG für Ihre Fragen zur Verfügung.
Mit dem EAG wurden die rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen zum Erneuerbaren-Ausbau im Jahr 2021 umfassend erneuert
und mittlerweile mehrfach novelliert. Grundsätzlich besteht die optionale
Möglichkeit, entweder einen einmaligen Investitionszuschuss, oder eine
Betriebsförderung in Form einer Marktprämie zu beantragen.
In einem kurzen Einführungsblock erfahren Sie alles über die grundlegenden Voraussetzungen für die Ökostromförderung und bekommen hilfreiche
Informationen für die Antragstellung.
Im Anschluss an die kurze Einführung haben Sie die Möglichkeit rechtliche
oder abwicklungstechnische Fragen zu stellen und auch konkrete Fallkonstellationen zu besprechen.
Die OeMAG steht auch abseits dieser Fragestunde für individuelle Einzelgespräche gerne zur Verfügung.
14:00
19:00
Workshop 3: Spezialsession 1: Speicher, Flexibilität und Cybersicherheit in der Kleinwasserkraft
Manuel Giselbrecht
Negative Strompreise: Rückblick, Ausblick & Möglichkeiten für die Produzenten
Schon in den vergangenen Jahren hat die Zahl der Stunden mit negativen
Strompreisen in Österreich spürbar zugenommen. Und mit zunehmendem
Ausbau der Erneuerbaren ist diese Entwicklung auch noch nicht abgeschlossen. Ganz im Gegenteil: sie wird sich in den kommenden Jahren zunächst weiter verschärfen, bevor sie sich durch erhöhte Teilnahme flexibler
Verbraucher entspannt.
Der Vortrag zeigt die bisherige Entwicklung negativer Strompreise auf und
ordnet ein, was das konkret für Produzenten und ihre Einsatz- oder Investitionsentscheidungen bedeutet. Er ist zugleich ein Appell an den Markt:
Nur wenn wir alles daransetzen, die Stromüberschüsse nutzbar zu machen,
lassen wir die Phase der Energievernichtung möglichst rasch hinter uns
14:00
19:00
Workshop 3: Spezialsession 2: Speicher, Flexibilität und Cybersicherheit in der Kleinwasserkraft
Jakob Spies
Wasserkraft und Batteriespeicher: praktische Erfahrungen zu Synergien und Barrieren
Die Kombination von Wasserkraft und Batteriespeichern wird häufig als
vielversprechender Ansatz zur Steigerung von Flexibilität, Wirtschaftlichkeit und Netzstabilität diskutiert. Doch welche Potenziale lassen sich in der
Praxis tatsächlich realisieren und welche Herausforderungen ergeben sich
bei der Umsetzung?
Anhand eines konkreten Projekts zur Integration eines Batteriespeichers in
das Umfeld einer bestehenden Wasserkraftanlage werden die technischen,
wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen beleuchtet. Der
Vortrag zeigt, wie die Kombination von Wasserkraft und Batteriespeicher
zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten eröffnen und die Teilnahme an Flexibilitätsmärkten unterstützen kann. Gleichzeitig werden die wesentlichen
Barrieren aus Sicht von Projektentwicklung und Betrieb aufgezeigt. Dazu
zählen insbesondere Fragen der Wirtschaftlichkeit, regulatorische Unsicherheiten sowie die technische Integration in bestehende Anlagenstrukturen. Die gewonnenen Erfahrungen sollen Betreibern von Kleinwasserkraftwerken einen praxisnahen Einblick in Chancen, Grenzen und Erfolgsfaktoren
solcher Hybridlösungen geben.
14:00
19:00
Workshop 3: Spezialsession 3: Speicher, Flexibilität und Cybersicherheit in der Kleinwasserkraft
Bernhard Teufel
Speicher, Flexibilität und Cybersicherheit in der Kleinwasserkraft
Cybersicherheit beginnt nicht am Kraftwerk – sondern an jedem einzelnen
Zugang. Kleinwasserkraftwerke sind heute stärker vernetzt als je zuvor.
Hersteller warten Steuerungen aus der Ferne, Energievermarkter benötigen Betriebsdaten in Echtzeit, Cloud-Plattformen analysieren Anlagen und
Betreiber überwachen ihre Kraftwerke per Smartphone. Was den Betrieb
effizienter macht, schafft gleichzeitig neue Risiken: Über Jahre entstehen
unterschiedliche VPN-Verbindungen, Fernwartungszugänge, Routerfreigaben und Cloud-Anbindungen – häufig ohne zentrale Kontrolle darüber, wer
tatsächlich auf welche Systeme zugreifen kann.
Der Vortrag zeigt anhand konkreter Beispiele, warum ein VPN allein noch
keine Sicherheitsarchitektur darstellt und weshalb auch ein Angriff auf
Hersteller oder Servicepartner zum Risiko für das eigene Kraftwerk werden
kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Fernzugriffe, Cloud-Kommunikation und unterschiedliche Anlagenteile sicher voneinander trennen und
zentral kontrollieren lassen. Mit SmallHydroSecure360 (SHS360) stellen
Kleinwasserkraft Österreich und nets360 einen neuen gemeinschaftlichen
Ansatz vor: Statt vieler unabhängiger Sicherheitslösungen entsteht eine
zentrale, herstellerneutrale Sicherheitsinfrastruktur für die Kleinwasserkraft. Ziel ist es, professionelle Cybersicherheit auch für kleinere Anlagen
wirtschaftlich zugänglich zu machen – und gemeinsam einen Sicherheitsstandard zu schaffen, von dem Betreiber, Hersteller und Serviceunternehmen gleichermaßen profitieren.
14:00
19:00
Workshop 3: Spezialsession 4: Speicher, Flexibilität und Cybersicherheit in der Kleinwasserkraft
Martin Syllaba, Manfred Mair
Speicher, Flexibilität und Cybersicherheit in der Kleinwasserkraft
Großbatteriespeicher sind längst mehr als ein Zukunftsthema – in der Praxis zeigt sich jedoch schnell, dass zwischen der Entscheidung für ein BESS
und einem zuverlässig laufenden Speicher viele technische, regulatorische
und organisatorische Schritte liegen. Der Vortrag zeigt anhand konkreter
Projekterfahrungen, worauf es bei der Umsetzung tatsächlich ankommt: von
der richtigen Dimensionierung und Systemtopologie über Netzanschluss,
Mittelspannung, Schutzkonzept und Anlagenregelung, bis hin zu Inbetriebnahme, APG-Anforderungen und der Einbindung in die Vermarktung. Im
Mittelpunkt stehen dabei nicht theoretische Idealbedingungen, sondern
typische Herausforderungen aus realen Projekten: Schnittstellen zwischen
Speicher, Wechselrichter, Trafo, Netzbetreiber und Leittechnik, Verzögerungen im Projektablauf sowie die Frage, welche Entscheidungen frühzeitig getroffen werden müssen, um spätere Mehrkosten und Zeitverluste
zu vermeiden. Ergänzt wird dies durch Erfahrungen zu Service, Wartung,
Cybersecurity und Betrieb. Ziel ist ein praxisnaher Überblick darüber, was
notwendig ist, damit aus einem geplanten Großspeicher eine technisch
funktionierende und wirtschaftlich nutzbare Anlage wird.
14:15
19:00
Exkursion 4: Sommer GmbH - Werksführung und Workshop
Bei einer Werksführung und einem Workshop werden
wir Einblicke in eine moderne Fertigung von Messgeräten bekommen, sowie einen Einblick in hochmoderne Messtechniken zur mobilen und stationären
Abflussmessung. Wir werden verschiedene Messtechniken zur mobilen Abflussmessung für mobile Kontroll- und Restwassermessungen kennenlernen,
sowie stationäre Lösungen, die es ermöglichen, 24/7
zu messen, zu dokumentieren und aufzuzeichnen.
Bei der Werksführung werden wir Einblicke in moderne Prozesse und Prozessabläufe kennenlernen, eben so wie eine moderne Fertigung aus der Nähe sehen. Der Workshop konzentriert sich speziell auf Kleinwasseranlagen. Dabei werden wir auch einen Einblick in hochmoderne Abflusssensoren erhalten, die
verstärkt bei Hochwassermessungen zur Anwendung kommen, aber auch bei größeren Zuflüssen herangezogen werden können. Der Workshop konzentriert
sich auf Sensoren der Firmen SOMMER und SonTek.
Um den Überblick abzurunden, werden wir auch einen Blick auf die Sensoren von YSI werfen. Mit diesem Einblick erhält man einen vollständigen Überblick von Abfluss bis Wasserqualität.
15:00
19:00
Workshop 2: Rechtssprechstunde mit Berthold Lindner
Berthold Lindner
Gegenstand der Rechtsprechstunde sind aktuelle Fragen über alle genehmigungsrechtlichen Themen für die Kleinwasserkraft. Fragen aus den Bereichen Wasserrecht und Naturschutz bis hin zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) stehen im Fokus des Workshops. Als weiterer Schwerpunkt
werden Fragen zum Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG)
diskutiert, das mit 01.01.2027 wirksam wird.
Ziel der Rechtssprechstunde sind klare Antworten auf konkrete Fragen. Dabei werden aktuelle konkrete Fragen in der Runde diskutiert und mögliche
Lösungsansätze erörtert.
19:00
22:00
ABENDEMPFANG
Adresse: Altes Hallenbad, Reichenfeldgasse 10, 6800 Feldkirch
https://maps.app.goo.gl/d6qGsKmC26k474zz7
16. Oktober
08:00
09:00
FRÜHSTÜCK UND MESSEBESUCH
09:00
09:30
Fischbiomasse und Nährstoffdynamik in Fließgewässern – Überschätzung der möglichen Biomasse aufgrund früherer Einträge?
Walter Reckendorfer, Barbara Grüner-Skodak
Trotz großer Anstrengungen zur Herstellung der Durchgängigkeit und zur
morphologischen Sanierung unserer Gewässer wird das Ziel eines guten
ökologischen Zustands oft nicht erreicht. Der Grund hierfür liegt häufig in
niedrigen Fischbiomassen. Als Erklärung werden meist hydromorphologische Defizite und Fischfresser wie Kormoran und Otter herangezogen. In
jüngerer Zeit mehren sich jedoch die Hinweise, dass sinkende Fischbiomassen in Flüssen auch mit sinkenden Nährstoffeinträgen und der damit einhergehenden abnehmenden Produktivität – der sogenannten Re-Oligotrophierung – zusammenhängen können. In unserem Vortrag analysieren wir
vorhandene Daten österreichischer Fließgewässer zu Fischbiomasse und
Nährstoffkonzentrationen und vergleichen sie mit bestehenden Studien zur
Nährstofflimitierung in Fließgewässern und Seen. Die Ergebnisse deuten
darauf hin, dass die Phosphorkonzentration in Verbindung mit Temperaturerhöhung ein mögliches Modell zur Erklärung der niedrigen Fischbestände in Fließgewässern sein kann.
09:30
10:25
Gebotenes und Verbotenes bei Fischwanderhilfen und Restwasser - Was Betreiber müssen und Behörden nicht dürfen
Regina Petz-Glechner, Berthold Lindner
Kaum ein Thema beschäftigt die Kleinwasserkraft in den letzten Jahren so
stark, wie die Herstellung der Durchgängigkeit und Fragen der Restwassermengen. Neue Fischaufstiege müssen errichtet und (meist deutlich mehr)
Restwasser abgegeben werden. Die nachträgliche Ermöglichung von Fischabstiegen steht bereits im Raum und wird in Zukunft wohl ebenso gefordert
werden wie Fischschutzeinrichtungen. Im Vortrag wird der aktuelle Stand der
Wissenschaft und Technik ebenso präsentiert, wie die rechtlichen Möglichkeiten im Umgang mit diesen Forderungen.
10:25
10:45
Versuchsanlage zum Modifizierten Denilpass in Unzmarkt an der Mur - Forschung beginnt dort, wo der Plan endet
Georg Seidl
Die Zielsetzung der Versuchsanlage bestand darin unter Feldbedingungen
neue Erkenntnisse zur Funktionsweise und biologischen Passierbarkeit
des Modifizierten Denilpasses zu gewinnen und insbesondere die Passage
großer Äschen zu untersuchen. Da die konkrete Versuchsanordnung in
dieser Form erstmals umgesetzt wurde, lag keine erprobte Blaupause für
das optimale Setup vor.
Im Zuge des Monitorings zeigte sich, dass die auf Kragarmen befestigte
Anlage niederfrequente Schwingungen aufwies, deren Ausmaß und biologische Relevanz im Vorfeld nicht erkennbar waren. Durch konstruktive
Anpassungen konnten diese deutlich, jedoch nicht vollständig reduziert
werden. Die Monitoringdaten weisen auf artspezifische Reaktionen hin und
stützen die in der Literatur beschriebene Beobachtung, dass insbesondere Salmoniden auf niederfrequente Schwingungen mit Meideverhalten
reagieren. Während die Aufstiegszahlen der Salmoniden deutlich unter
den Erwartungen blieben, wurden Cypriniden – wie Aitel und Strömer – im
Verhältnis zu ihrem Vorkommen im Unterwasser überproportional häufig
detektiert.
Ungeachtet dieser versuchsbedingten Einschränkungen konnte das zentrale
Untersuchungsziel erreicht und die Passage großer Äschen durch den Modifizierten Denilpass nachgewiesen werden.
10:45
11:30
KAFFEEPAUSE UND MESSE
11:45
12:05
Aus der Region für die Nation: Kleinwasserkraft als Erfolgsmodell der Energiewende
Jürgen Hürner
Seit 1901 betreiben die Stadtwerke Amstetten ein Laufwasserkraftwerk mit
3 MW Leistung. Was damals technologischer Fortschritt war und den Hauptplatz mit elektrischem Licht versorgte, ist mehr als 120 Jahre später noch
immer Herzstück der regionalen Energiezukunft. Heute versorgt die Wasserkraft nicht mehr nur Glühbirnen, sondern bildet die Basis für Elektromobilität,
Speicher, Regelleistung und Blackout-Vorsorge. Der vollelektrische Stadtbus
legt jährlich rund 320.000 Kilometer zurück und wird überwiegend mit Strom
aus dem eigenen Laufwasserkraftwerk geladen. Regionale Energie ersetzt
damit fossile Importe: Die Energie, mit der Menschen zur Arbeit, in die Schule
oder zum Einkaufen fahren, wird direkt in der Region erzeugt. Mehr als 40 AC-
Ladepunkte sowie ein großer Schnellladepark zeigen, wie Wasserkraft und
Photovoltaik moderne Mobilität ermöglichen. Ein 2-MWh-Speicher ergänzt
das System, optimiert die Nutzung der erzeugten Energie und ermöglicht
die Teilnahme am Regelleistungsmarkt. Gleichzeitig erhöht die Kombination
aus Wasserkraft und Speicher die Versorgungssicherheit. Im Blackout-Fall
kann damit wichtige Infrastruktur wie die Johann-Pölz-Halle weiter versorgt
werden. Kleinwasserkraft ist damit keine Technologie der Vergangenheit. Sie
verbindet regionale Wertschöpfung, Mobilität, Netzstabilität und Versorgungssicherheit – und bildet bis heute eine starke Basis für Innovation und
Energiewende.
12:05
12:25
Intelligente Abflussregelung am Beispiel der „Kleinen Ill“ in Feldkirch
Elias Eder
Die kleine Ill in Feldkirch, ein künstliches Nebengerinne der Ill, dient als
Lebensraum und Wanderhilfe für verschiedenste aquatische Organismen.
Wasserökologisch sollte deren Abflussmenge stets um den Sollwert von 1300
l/s liegen. Die Regelung erfolgt über mehrere Schütze mit unterschiedlichen
Funktionen, derzeit regelbasiert anhand der Pegelmessungen. Zunehmende
Schaltbetriebe flussaufwärts gelegener Speicherkraftwerke verursachen
jedoch seit einiger Zeit starke Fluktuationen im Hauptstrom, wodurch die bisherige Regelung nicht mehr ausreicht.
Ziel des gemeinsamen Projekts ist eine datengetriebene Regelung, die den
Sollwert am Auslaufbauwerk konstant hält. Durch eine ausführliche Datenanalyse und die Quantifizierung der zeitlichen Trägheiten des Systems wurde
zunächst der Grundstein für ein datenbasiertes Modell gelegt. Dieses soll
künftig eine modellprädiktive Regelstrategie ermöglichen, die eine proaktive
Stellung der Schütze zur Einhaltung des Sollwerts erlaubt.
12:25
12:45
Wasserkraft im Klimawandel – Simulationen für Traisen und Kamp
Bernward Asprion
KliWaSim (Simulation zur Klimaanpassung und wirtschaftlichen Entwicklung
von Kleinwasserkraftwerken) ist ein vom Klima- und Energiefonds gefördertes Forschungsprojekt. Untersucht werden die Auswirkungen des Klimawandels auf acht Kleinwasserkraftwerke an den Werksbächen von Traisen und
Kamp. Ziel ist es, eine Entscheidungsgrundlage für zukünftige Investitionen
und Anpassungsmaßnahmen zu schaffen.
Eine wesentliche Grundlage für die Abschätzung der künftigen Stromerzeugung ist die Entwicklung der verfügbaren Wassermengen. Dafür wurden
langfristige Durchflussschätzungen für unterschiedliche Klimaszenarien
mithilfe von Machine-Learning-Verfahren erstellt. Auf Basis dieser Durchflüsse wurde anschließend ebenfalls mit Machine Learning die zu erwartende
Stromerzeugung ermittelt.
Darauf aufbauend werden unterschiedliche zukünftige Rahmenbedingungen
simuliert. Berücksichtigt werden verschiedene Klimaszenarien, unterschiedliche Ausleitungsregeln sowie ein theoretischer Speicher an der Traisen zur
Glättung des Durchflusses. Untersucht wird außerdem eine alternierende
Befüllung des linken und rechten Traisenwerksbachs bei geringen Wassermengen.
Zur kompakten und interaktiven Darstellung der Ergebnisse für die Betreiber:innen wurde ein webbasierter Demonstrator entwickelt. Dieser ermöglicht
den Vergleich unterschiedlicher Klimaszenarien und betrieblicher Varianten
und unterstützt die Bewertung möglicher Anpassungsstrategien.
12:45
13:00
Schlussworte des Präsidenten
Hannes Taubinger
13:00
15:00